Ein Gutes Neues Jahr

Photo (Pexels) by Quintin Gellar – High Angle View of Cityscape Against Cloudy Sky


Ein Neues Jahr ist kein Bruch – es ist die Fortsetzung Ihrer persönlichen Geschichte im Kreislauf der Jahreszeiten.

Ein Gutes Neues Jahr! – Allen Lesenden bei Johntext.

Wieder ist ein Jahr vorbei. Wie kann es sein, dass 365 Tage in einen Satz passen? Ein schönes Neues Jahr! Wir packen die Zukunft in den nächsten Satz und gleich die besten Wünsche dazu. Sprache ist ein biegsames Medium – wie Weizen auf dem Feld und ebenso nahrhaft. Wir formulieren Sätze und geniessen Worte und bündeln Wünsche – als Sender und Empfänger.

Wir hören Ein Gutes Neues Jahr und für jeden bedeutet es etwas anderes. Für die einen ist es eine Floskel – so wie man sich entschuldigt oder bedankt oder eine Flagge hisst und unter einem guten Stern segelt. Für die anderen ist es ein Gefäss mit dem Inhalt aller Geschehnisse eines Jahres. Für Kranke bedeutet ein Gutes Neues Jahr Besserung und gesund werden. Für Einsame neue Freundschaft oder belebte Liebe. Für Zufriedene Kontinuität. Ein Gutes Neues Jahr auch für unsere Ziele und Vorsätze. Was ist für Sie ein Gutes Neues Jahr?

Ein Gutes Neues Jahr – Platzhalter für individuelle Wünsche

Geld

Ein Element des alten und des neuen Jahres ist Geld. Geld regiert die Welt – sagt man. Wir lieben es – diesen Schlüssel zu allem, was sich kaufen lässt.

Und doch – es gibt ein sehr viel wertvolleres Gut das weit über Geld und dessen Möglichkeiten steht – der Schlüssel zu allem, der Generalschlüssel gewissermassen.

Schauen Sie sich um. Wenn Sie möchten. Sehen Sie, was diese Welt ausmacht? Geld hat sie nicht erschaffen. Geld ist ein Teil von ihr. Ein künstliches Zahlenkonstrukt – ausgedacht, um uns das Leben zu erleichtern. Und oft der Zaun, der uns unsere Grenzen aufzeigt und Menschen definiert:

– Wieviel ist meine Arbeit wert?
– Was kann ich mir leisten?
– Bin ich – tatsächlich oder gefühlt – erfolgreich?

Geld hat eine Nebenwirkung – eingeführt, um den Wert von Waren zu bestimmen und Handel zu erleichtern – führt es auch dazu, dass Menschen daran gemessen werden wieviel sie davon haben. Das Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz offenbart uns in der Dezember Ausgabe die 300 Reichsten der Schweiz. Demnach besitzen diese zusammen 702 Milliarden Franken.

Menschen, die sich darauf programmiert haben aus Mehr noch Mehr zu machen. Aus Prinzip. Oder aus Spieltrieb.

Positive Effekte: Arbeitsplätze entstehen und bleiben erhalten. Grosse Beträge fliessen in die Gesundheits- und Altersforschung. Mehr Leben – längere Lebenserwartung – ermöglicht längeren Genuss am Spiel ums Mehr.

Negative Begleiterscheinung: Riesige Vermögen sind oft statisch in Händen von Menschen, die sparsam – ja oft geizig damit umgehen und entziehen diese dem Wirtschaftskreislauf. Aus Angst vor dem Risiko es zu verlieren. Verständlich. Durch Negativzinsen versucht man sie zu zwingen, Geldvermögen zu investieren und in den Wirtschaftskreislauf zurükzuführen.

Geld vermehrte sich auf Konten durch Zinsen zauberhaft. Und überstieg die tatsächliche im Umlauf befindliche Geldmenge um ein Mehrfaches. Ein Krisenszenario das das ganze System zum Kippen bringen könnte: Aufgeschreckt durch eine Hiobsbotschaft stürmen Sparer die Banken und versuchen ihr Geld abzuheben – diese müssen schliessen – all die Zahlen auf Kontoauszügen sind beeindruckend und virtuell und bezeugen wohl eine Schuld der Bank gegenüber den Kunden – aber nicht die Zahlungsfähigkeit der Bank (siehe dazu mein Artikel Martin Suters Neues Buch).

Sprache

Bei Geld denken wir an Währung und Reichtum. Sätze und Worte – Worte und Sätze sind die Universalwährung – gleichzeitig wertvoll und frei verfügbar und universell einsetzbar.

Die Universalwährung Sprache garantiert das Unmögliche. Wir lassen mit Worten weisse Friedenstauben auffliegen. Ein Gutes Neues Jahr bedeutet vielen zuerst Frieden und Sicherheit. Für die einen ist es der Weltfriede. Für andere der persönliche emotionale Waffenstillstand – die Beziehung zum Partner und ein ruhiges, angenehmes und inspirierendes Familienleben.

Lange bevor Tauschwährung und später Geld aufkam – redeten wir. Schien die Sonne, beschrieben wir den Zustand als warm. Brannte in der Höhle des Nachts das Feuer genossen wir es und wir nannten das zugehörige Gefühl wohlig und die Atmosphäre gemütlich.

So beschreibt Sprache alles, was geschieht und geschah. Und noch viel wichtiger – sie beschreibt alles, was geschehen wird.


Lange vor Harry Potter und noch lange danach gibt und gab es einen Bestseller – die Bibel. Ich bin nicht besonders gläubig im Sinne von jeden Sonntag in die Kirche gehen. Und doch gehen diese Geschichten inmitten all der Geschichtsfluten durch Social Media unter die Haut.

Wieso ist das so?

Diese Geschichten zeigen die Kraft des Glaubens. Ausgerichtet auf Gott. Und von Gott auf uns. Und von uns auf unsere Mitmenschen.

Kraft und Glauben

Jeder Physiker wird Ihnen erklären, dass Kraft und Energie für sich nichts ist – ausser sie bekommt eine Richtung und entfaltet Wirkung. Die Bibel zeigt, was wir längst ahnten – unsere Kraft wird im Glauben gebündelt. Und gleichzeitig neutralisiert: Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst.

Wieso?

Wir alle wissen, dass frisch Verliebte einige Jahre mit sich selbst beschäftigt sind und kaum nach aussen wirken. Die unglaubliche Kraft, die in jungen Jahren in uns schlummert und destruktiv wirken kann, wird durch Liebe neutralisiert. Gut so!

Und erkennen wir später, dass und wie wir diese Kraft zum Guten nutzen können bekommen wir Zugang zu ihr.

2015 durfte ich Al Imfeld in Zürich interviewen – ein begnadeter Journalist und Autor. Er wohnte an der Konradstrasse beim Hauptbahnhof. Er sagte im Interview etwas, wofür ihm im Mittelalter die Inquisition gedroht hätte: Der Gott sind wir. Nein, es war keine Aussage, er stellte eine Frage –> Seid ihr selbst der Gott?

Ich bewundere Menschen, die gläubig sind – egal welcher Religion sie angehören. Es ist als hätten sie mit dem Glauben ein unglaublich festes Fundament ihres Lebens errichtet. Sie gehen ihren Weg unbeirrbar.

Sprache und Glaube kombiniert

Und dann schaue ich mich um und sehe – es gibt Leben ohne nach aussen sichtbaren Glauben. Und Erfolg. Und Erfüllung. Wie kann das sein?

Es gibt Glauben innerhalb und ausserhalb der Religionen. Und das ist gut so.

Glauben ist ein Gefühl, sage ich mir also. Der Glaube, der in den Geschichten der Bibel steckt, besteht aus Gefühlen und Worten, die diese starken Gefühle transportieren.

Somit liesse sich die gleiche Kraft erzeugen und entnehmen, wenn konstante Gefühle mit Worten kombiniert werden – unsere eigenen Worte? In der Wiederholung gewinnt diese Kombination Kraft und Aussage.

Denken Sie nur an: Ich liebe dich!

Und schauen Sie sich um, was diese drei Worte geschaffen haben. Was Menschen aus Liebe zu ihrer Familie und ihrem Partner erreichen können. Ein Beispiel dafür ist das Foto das ich für diesen Beitrag gewählt habe.

Diese Kombination aus Wort und Gefühl ist unschlagbar. Alle unsere Erinnerungen sind im Bewusstsein und Unterbewusstsein abgelegt – gute wie schlechte. Und denken wir an etwas besonders Schönes – unsere erste Liebe, eine Reise an einen wunderschönen Ort, eine Begegnung mit einem besonderen Menschen – so durchströmt uns ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit und womöglich Euphorie.

Und ist die Gegenwart heute nicht so spektakulär – weder wetter- noch gefühlsmässig – geht es uns besser, wenn wir an diese besonderen Augenblicke der Vergangenheit denken und sie wieder fühlen.

Sprache ist weit mehr wert als Geld mit dem wir den Translator kaufen. Sie ist die universelle Währung, die uns Zugang zu geliebten Menschen und unsere Ziele schafft.

Sprache träufelt uns Ehrgeiz ein und Motivation. Sprache erzählt uns davon, wie andere Menschen vorgehen, um glücklich zu werden. Sprache heilt. Sprache tröstet. Sprache versöhnt.

Wenn Sie also das nächste Mal Sprache verwenden, sprechen, seien Sie sich der unglaublichen Kraft bewusst, die ihr innewohnt und die damit in Ihnen wohnt.

Eine Kraft, die Sie zum Guten verwenden können – egal was sie tun, egal wer Sie sind und egal wo Sie leben.

Und denken wir auch an jene, die so sensibel sind, dass sie uns nicht egal sein sollten. Jene, die an Sprache und unter unbedachten Worten anderer leiden.

Schauen Sie sich um – sehen Sie diese besonderen Menschen?

Die aus dem Kreislauf von Arbeit, Wohnung und Familie ausgetreten sind. Die unsere Sprache und deren Zwänge und Ansprüche nicht aushalten können …

Wieder ist ein Jahr vorbei – denkt oder sagt der Obdachlose und weiss gleichzeitig, ob es ein gutes Jahr für ihn war. Er verknüpft ein Gefühl mit dem Satz. Und dieses Gefühl steht für alles, was geschah. Quasi ein Statistikgefühl – die Durchschnittsbewertung. Witzig und erschütternd ist, dass wir Ein Gutes Neues Jahr wünschen und der Januar Obdachlosen in unseren Breitengraden zuerst Kälte bringt.

Das Leiden der Menschen in dieser Welt werden Sie nicht allein stoppen. Alle zusammen schaffen wirs. Lassen Sie sich nicht lähmen. Al Imfeld formulierte es 2015 im Interview so:

Mein Thema ist das Leiden der Menschen in dieser Welt. Das treibt mich um und an. Ich kann einfach nicht fassen, dass es so viel Elend in dieser Welt gibt.

Al Imfeld

Lassen wir uns nicht vom Anblick und dem Wissen um das Leiden in dieser Welt lähmen.

Beginnen Sie die Kraft der Worte zu nutzen – Ihrer Worte! Das sind Laute, die vom Atem, der uns Leben schenkt erzeugt werden.

Rückblick und Aussicht

Wirkich bewusst wurde mir die Kraft der Worte zum ersten Mal, als ich Claude Ribaux 2017 traf. Er bündelte die Summe aller positiven Ereignisse meines Lebens per Aktiv-Wach-Hypnose. Und richtete deren Energie auf meine Zukunft. Was dann geschah beschrieb er – mit meinem Einverständnis – auf einer seiner Webseiten.

Erfolgreiche Menschen sind diskret. Wer möchte schon verlautbaren: All das verdanke ich … . Das tönt ja so als hätte mans nicht selbst geschafft. Ich bin da anders: Zeige Deine Dankbarkeit.

Ich bin ein offener Mensch. Dachte mir: Einer bei dem sich Manager, Politiker und Sportler – die danach erfolgreich werden – coachen lassen, weiss wos langgeht. Und suchte ihn in seinem Büro in Zürich nahe Paradeplatz auf. Bingo.

Menschen, die ich bewundere bewegen Dinge und Mitmenschen. Durch gelebtes Beispiel. Wie Roland Wiederkehr. Im Oktober 2018 lud er eine Delegation aus Kroatien, Georgien und den USA zu einer Road Safety Week in die Schweiz ein. Die Schweiz ist Weltmeister bei der Verkehrssicherheit – so die Worte auf der Webseite der Kroaten. Im regen Austausch besuchten wir die Verkehrspolizei Zürich, Basel und die der Kantone Schwyz und Uri. Um zu lernen. Wie sich Menschenleben retten lassen.



Fazit:

Jeder Schweizer Autofahrende ist Lebensretter.

Warum? Geschwindigkeitsbeschränkungen und andere Massnahmen reduzieren tödliche Unfälle massiv.

Schier unmöglich nun alle aufzulisten, denen ich viel verdanke. Sind wir nicht alle das Ergebnis von anderen und deren Hilfe und Unterstützung? Ereignisse, die mit unserer Geburt beginnen. Eine Reihung von Wundern.

Oft können wir es nicht vergelten. Aber dafür anderen helfen. Sehen Sie im Neuen Jahr Ihre Ziele und Wünsche. Und gleichzeitig die Nöte anderer. Das wünsche ich Ihnen!

Ihr Hans-Jürgen John

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Hans-Jürgen John – Worte bewegen die Welt

Hans-Jürgen John – Worte bewegen die Welt

Für die Publikation des FAU – Fokus Arbeit Umfeld, den «Jahres- und Nachhaltigkeitsbericht 2016» wurde ich im Januar 2017 vom Chefredakteur «der Arbeitsmarkt» Robert Hansen interviewt. Im Mai erschien das Magazin.

FAU ist eine Non-Profit-Organisation im Bereich Arbeit. Sie begleitet und fördert hochqualifizierte Menschen und unterstützt Kundinnen und Kunden nachhaltig bei der Nutzung und Erweiterung ihrer Fähigkeiten. FAU wird vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO unterstützt und bietet Stellensuchenden nachhaltige Qualifizierungen.

Das Interview ergab sich ein halbes Jahr nach meinem Praktikum dort. Die Redaktion «der Arbeitsmarkt» befindet sich auf der gleichen Stockwerksebene mit der Klientel des FAU. Ein reger Austausch zwischen Projektmanagern, Journalisten und Medienschaffenden ist möglich und naheliegend.

Ich traf dort ganz wunderbare Menschen: Journalisten, Projektmanager, Firmenlenker – kurz Menschen mit Visionen und auf dem Sprung in den nächsten Job oder die Selbstständigkeit. Perfekt für Austausch, Netzwerken und persönliche Weiterentwicklung mit Unterstützung durch Coaches.

Sehr empfehlenswert!

FAU Jahres- und Nachhaltigkeitsbericht 2016

Artikel im Rahmen des Praktikums bei derarbeitsmarkt.ch:

Matthias Wiemeyer, Schreibschulleiter der Schreibszene GmbH, im Porträt: https://derarbeitsmarkt.ch/de/portraet/wenn-manager-schreiben
Al Imfeld über seine liebste Beschäftigung das Schreiben: https://derarbeitsmarkt.ch/de/portraet/mein-tag-als-autor
Weltweit vernetzen. So geht es: https://derarbeitsmarkt.ch/de/meinung/umsonst-vernetzen
Kurt Müller, Antiquitätenhändler aus Zürich im Videointerview: https://derarbeitsmarkt.ch/de/portraet/haendler-mit-passion
Die Pressekonferenz: FIFA-Ikone Joseph S. Blatter am Zürichberg vor mehr als 70 Journalisten aus aller Welt. https://derarbeitsmarkt.ch/de/thema/blatters-ballverlust
Klaus J. Stöhlker, PR-Berater Blatters im Kurzinterview bei nämlicher Pressekonferenz: https://derarbeitsmarkt.ch/de/interview/gut-gemeint-genuegt-nicht
Kay Melliger, Nachwuchs im Schweizer Springreiten, über seine Leidenschaft: https://derarbeitsmarkt.ch/de/interview/der-springreiter
Der Schweizer Filmregisseur Jan Gassmann im Porträt: https://derarbeitsmarkt.ch/de/portraet/abbilder-der-realitaet
Thomas Stark aus Zwingen startet mit der Starkstrom GmbH in die Selbständigkeit: https://derarbeitsmarkt.ch/de/portraet/der-name-ist-programm
Abdelbagi Shahto, Künstler, Anwalt und Menschenrechtsaktivist aus Rafz (ZH) stellt aus: https://derarbeitsmarkt.ch/de/portraet/flucht-die-kunst
Regula Zellweger, die Laufbahnberaterin im Interview: https://derarbeitsmarkt.ch/de/interview/arbeit-ist-auch-leben

Diese Artikel gibt es auch bei Johntext Schweiz:

https://johntext.ch/wenn-manager-schreiben/
https://johntext.ch/umsonst-vernetzen/
https://johntext.ch/al-imfeld-mein-tag-als-autor/
https://johntext.ch/kay-melliger-der-springreiter/
https://johntext.ch/abbilder-der-realitaet/
https://johntext.ch/haendler-mit-passion/
https://johntext.ch/der-name-ist-programm/
https://johntext.ch/flucht-in-die-kunst/
https://www.johntext.ch/arbeit-ist-auch-leben/
https://johntext.ch/blatters-ballverlust/
https://johntext.ch/gut-gemeint-genuegt-nicht/

Hans-Jürgen John ist auf Linkedin auf Twitter und auf Facebook. Er bloggt auf Johntext Schweiz.

Blatters Ballverlust

Blatters Ballverlust
 

Blatters Ballverlust - Corinne Blatter Andenmatten unterstützt ihren Vater Joseph S. Blatter.
Corinne Blatter Andenmatten unterstützt ihren Vater Joseph S. Blatter.

Am 21. Dezember 2015 verteidigte sich Joseph S. Blatter an der Pressekonferenz am Zürichberg vor mehr als 70 Journalisten aus aller Welt. Eine Annäherung.

Die Übertragungswagen parkieren in langer Reihe. Einige Fotografen warten in der Vorhalle und auf der Strasse auf Blatter. Niemand weiss, ob er sich bereits im Gebäude befindet. Ich bin ein Frischling im Journalistenberuf. Und aufgeregt. Ein Interview mit Joseph S. Blatter nach der Pressekonferenz wäre toll. Ein älterer Herr schüttelt in der Vorhalle Hände. Er nennt die Journalisten beim Namen. Im schwarzen Anzug, mit blauem Hemd und rotgesprenkelter Krawatte strahlt er Autorität aus. Er verschafft mir Zugang. Blatters Berater Klaus J. Stöhlker.

Die Journalisten sitzen im Konferenzraum wie im Vorlesungssaal einer Universität. Ganz oben hinter den Fernsehkameras finde ich einen Sitzplatz.

«Fussball bringt in diese verstörte Welt Emotionen und Hoffnung.»

Joseph S. Blatter

Blatter kommt. Ein weisses Pflaster verdeckt einen Teil der rechten Wange. Blitzlichtgewitter. Er beginnt zu reden. Langsam, auf Englisch.

Ich stehe auf und drängle an den Fernsehkameras vorbei. Die Journalisten sitzen unter mir Notebook an Notebook und schreiben live über den Ticker. Ob sie spicken und voneinander abschreiben?

Der Fussball spielt an diesem Tag eine untergeordnete Rolle. Gleichwohl bringt Joseph S. Blatter seine Mission während 17 Jahren als Präsident der Fifa auf den Punkt: «Fussball bringt in diese verstörte Welt Emotionen und Hoffnung.» Er wirkt traurig und enttäuscht.

«Blatter setzte die Fussball-WM in Südafrika gegen alle Widerstände innerhalb der Fifa durch. Er wollte Afrikas Menschen über den Fussball Selbststolz zurückgeben. Das ist ihm gelungen.»

Al Imfeld


 
Suspendiert für acht Jahre

Danach wiederholt er, was am Morgen bekannt wurde: Die Ethikkommission der Fifa habe ihn für acht Jahre suspendiert. Er spricht über die Auswirkungen: Tochter und Enkelin gemobbt.

Joseph S. Blatter war 40 Jahre bei der Fifa. Die Fifa ist wie eine Familie für ihn. Nun ist er 79. Wieso tritt er nicht leise, vertraut auf den Rechtsweg, statt sich der Öffentlichkeit zu stellen?

Je länger der Walliser redet, umso kämpferischer wird er. Er verkündet, er werde gegen den Entscheid der Fifa vorgehen.

Wie um Himmels willen komme ich hierher? Über Fussball weiss ich nicht viel. Al Imfeld, 81, Autor, Religionswissenschaftler und Afrikakenner aus Zürich, erzählte mir während eines Interviews von Blatter. «Blatter setzte die Fussball-WM in Südafrika gegen alle Widerstände innerhalb der Fifa durch. Er wollte Afrikas Menschen über den Fussball Selbststolz zurückgeben. Das ist ihm gelungen.» Blatter sei von einem missionarischen Denken inspiriert, das im katholischen Wallis Tradition habe. Joseph S. Blatter als Missionar? Woran ist er dann gescheitert? Ich wurde neugierig. Bemühte mich um ein Interview mit dem suspendierten Fifa-Präsidenten. Vergeblich.

Jetzt bin ich hier. Einer von vielen.

Der Mann da vorne scheint keiner von den aalglatten Typen zu sein, die sonst die Karriereleiter besetzen. Er macht einen bodenständigen Eindruck. Klein, rund, gemütlich. Jetzt ist er im Verteidigungsmodus. Es geht nicht um die Wiederwahl. Er kämpft um den guten Namen.

Blatter surft auf der Geräuschkulisse der klickenden und surrenden Fotoapparate.

Ich gehe nach vorne und setze mich frech auf den Boden vor den Pressetisch. Ich möchte mir den Kerl aus der Nähe ansehen. Der Security-Mann lässt mich gewähren. Hinter mir tuscheln zwei Journalisten, was mir einfalle, mich dorthin zu setzen. Mehr trauen sie sich nicht. Live vor der Weltöffentlichkeit.

Blatter klagt die versammelten Journalisten an: «Sie waren zur Stelle, um den Fifa-Präsidenten zu verdammen: Er ist korrupt.» Und weiter: «Ich bin nicht verantwortlich für Menschen, die von anderen gewählt wurden.»
 
Holt er sich den Ball zurück?

Die «Weltwoche» hält ihn für den Schweizer des Jahres. Wladimir Putin würdig für den Friedensnobelpreis. Der «Tages-Anzeiger» titelt «Steile Karriere mit beispiellosem Absturz». Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen ihn. Joseph S. Blatter polarisiert weltweit.

«Blatter ist Fussballspieler. Er hat den Ball verloren und holt ihn sich wieder.»

Klaus J. Stöhlker

Blatters Tochter sitzt links neben ihm. Ab und zu sieht er zu ihr hinüber. Sie gibt ihm Halt. Er spricht über sich: «Ich bin ein Mensch mit Prinzipien. Ich bin angeklagt, Platini Geld gegeben zu haben für die Stimmen bei den Präsidentschaftswahlen 2011. Nein.»

Blatters Stimme versagt. Er ist aufgewühlt. Er wirkt nicht wie ein professioneller Redner. Rechts neben ihm sitzt Thomas Renggli. Er zeigt auf die Journalisten, die eine Frage stellen dürfen. Joseph S. Blatter hat ihn vorgestellt: «Thomas Renggli hält zu mir, und unter Ihnen gibt es vielleicht noch einen, der mich unterstützt.» Ich fühle mich angesprochen. Ich möchte die Geschichte schreiben. Die Geschichte von Joseph S. Blatter und der Fifa.

Joseph S. Blatter beantwortet Fragen. Dann geht er. Meine Poleposition vor Blatters Tisch hat wenig gebracht. Ich hatte eine Frage an Blatter. Ich kam nicht zum Zug.

Vor dem Konferenzraum warten Journalisten. Wird er Einzelinterviews geben? Keiner traut sich jetzt zu gehen. Später stellt sich heraus: Joseph S. Blatter ist längst abgefahren. Sein Berater Klaus J. Stöhlker nutzt die Zeit und gibt ein Interview nach dem anderen. Ich höre, wie er zu einem Journalisten sagt: «Blatter ist Fussballspieler. Er hat den Ball verloren und holt ihn sich wieder.»

Joseph S. Blatter stellte sich der Weltpresse - Blatters Ballverlust
Joseph S. Blatter stellte sich der Weltpresse.

Auch ich spreche mit Klaus J. Stöhlker – über Vernetzung im Beruf: «Gut gemeint genügt nicht»

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Al Imfeld – Mein Tag als Autor

FOTOS UND TEXT: Hans-Jürgen John

Der Publizist und Religionswissenschaftler Al Imfeld an seinem Arbeitsplatz im Unruhestand.
Der Publizist und Religionswissenschaftler Al Imfeld an seinem Arbeitsplatz im Unruhestand.

Al Imfeld – Mein Tag als Autor

«Von meinen fast 50 Büchern liegt mir immer das letzte sehr am Herzen. Im Januar veröffentlichte ich ‹Afrika im Gedicht›. Poesie, die afrikanische Autoren zwischen 1964 und 2014 schufen.

Früher stand ich regelmässig um sechs Uhr auf. Heute begann ich den Tag mit einer Tasse Kaffee um halb acht. Ich schrieb an einem Text für die Arthur Waser Stiftung in meiner Funktion als beratendes Mitglied für Afrikafragen.

Als Einstimmung in den Tag und zur Mobilisierung des Gehirns lese ich drei Tageszeitungen. Dabei kommen mir Ideen. Mein Thema ist das Leiden der Menschen in dieser Welt. Das treibt mich um und an. Ich kann einfach nicht fassen, dass es so viel Elend in dieser Welt gibt. Warum nehmen die Menschen ihr Schicksal nicht in die Hand? Kein Gott und kein Teufel schickt ihnen Prüfungen. Sie selbst sind verantwortlich für ihr Handeln.

Ich habe Freude am Schreiben. Gleichzeitig ist es ein grosser Frust. Ich denke oft, Musiker seien besser dran. Sie können mit ihren Tönen alles machen. Wir Autoren haben Wörter. Das Wort ist eine enorme Begrenzung und Einschränkung. Dichter, die multidimensional denken, legen in ein Wort mehrere Bedeutungen hinein. Doch was konkret verstehen dann die Lesenden?

Ruhe stört mich.

Al Imfeld

Früher war ich oft zwischen Zürich und Genf in der Bahn unterwegs. Die Geräuschkulisse hilft mir beim Schreiben. Ruhe stört mich. Menschen, die debattieren und diskutieren, regen mich an.

Ich arbeite nie an einem Werk allein. Ausser es ist so umfangreich wie meine afrikanische Gedichtanthologie. Als die Anthologie mit mehr als 550 Gedichten veröffentlicht war, dachte ich: ‹Jetzt kann ich von mir aus sterben.› Aber ich bin noch am Leben. Also mache ich weiter.

Derzeit arbeite ich in einem Sachbuch das Modell einer afrikanischen Stadt heraus. Einer Stadt, die ihren Bewohnern Nahrung und Lebensqualität bietet. Das Elend ist heute so gross in Afrika, dass ich das anstossen muss. Ich bin unter anderem Tropenlandwirt. An diesem Projekt der afrikanischen Stadt arbeite ich seit den 90er-Jahren. Mein Netzwerk dafür umfasste 33 Fakultäten, Forschungsbereiche von der Geologie bis zur Paläontologie, und reichte von Brasilien bis Japan.

Es ist wahnsinnig wichtig, dass sich Menschen vernetzen und austauschen. Wir erreichen nicht viel, wenn jeder in seinem Gehäuse bleibt. Deshalb öffne ich meine Wohnung an der Konradstrasse 23 in Zürich jeden Mittwoch und Samstag für Diskussionen. Alle sind willkommen. Ich nenne es ‹offenes Haus› oder ‹Businesslunch›. Früher wurde ich ausgelacht, weil ich mehrere Abschlüsse habe: ‹Ja, bist du jetzt Religionswissenschaftler, Entwicklungssoziologe, Tropenlandwirt oder Journalist?› Bist du Journalist, glaubt dir sowieso niemand etwas. Mit Neugierde über den Tellerrand des eigenen Fachbereichs schauen, das belebt die Menschen. Das ist der Sinn des ‹offenen Hauses›.

Ausserdem bereite ich einen weiteren Gedichtband vor. Er wird zu meinem Geburtstag Anfang des kommenden Jahres erscheinen. Ich arbeite zusammen mit zwei Fotografen und einem Grafiker daran. Es sind Mandalagedichte. Die Idee geht zurück auf meine Zeit in Japan. An der Tokyo International University hielt ich glücklicherweise zweimal in meinem Leben Vorlesungen über Religionswissenschaft.

Seid ihr selbst der Gott?

Al Imfeld

Ich bin Schweizer. Auch juristisch gesehen. Aber ich habe genauso etwas von den afrikanischen Ländern in mir und vom japanischen Buddhismus. Ich kann niemals Nationalist sein. Ich reise zu meinen Freunden in Vietnam und fühle mich dort ebenso zu Hause. Heimat ist für mich eine Form von Neugierde. Aber Neugierde – da kommt sofort die andere Seite dazu – ist natürlich etwas, was dich sehr einsam machen kann. Du erfährst so viel, dass du es fast nicht erträgst.

Wenn ich religionswissenschaftlich-theologisch forsche, bin ich mit Wissen mitunter anderen voraus. Ich provoziere Leute, um sie mit Fragen aus dem Schlaf zu wecken: ‹Wie könnt ihr an einen Gott glauben, der die Bösen machen lässt und die Guten, Einfachen verrecken lässt? Will das dieser Gott? Ist das der Sinn der Schöpfung gewesen?› Da kommst du rasch an Tabus heran: ‹Seid ihr selbst der Gott?› Ich frage immer weiter. Das ist schliesslich der Sinn eines wachen Geistes.

Ich könnte frech sagen: ‹Ich habe meine Ziele erreicht.› Ich bin eigentlich ein glücklicher Mensch. Ich nehme noch, was kommt.»

Als Autor und Tropenlandwirt recherchiert Al Imfeld für sein Projekt im Archiv.
Als Autor und Tropenlandwirt recherchiert Al Imfeld für sein Projekt im Archiv.

Dieser Artikel wurde von mir auf dem Online-Portal Der Arbeitsmarkt veröffentlicht:
https://derarbeitsmarkt.ch/de/portraet/mein-tag-als-autor

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